Das Backhaus

Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte die Familie Postmeyer auf dem Gebiet der politischen Gemeinde Westerkappeln an der Ortsgrenze zu Mettingen. Das zum Anwesen gehörende Backhaus bekam die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) Mettingen im Jahre 1992 von der Erbengemeinschaft Bärtels, den Erben der letzten Besitzerin, der als Postmeyers Lieschen“ bekannten Kauffrau geschenkt. Das Postmeyersche Backhaus sollte in Mettingen wieder errichtet werden und dort lebendige Geschichte eines wichtigen Handwerks unserer Region vermitteln.Warum Mettingen als Standort?

Obwohl die Familie Postmeyer in der politischen Gemeinde Westerkappeln lebte und dorthin ihre Steuern entrichtete, gehörte sie immer zum Kirchspiel Mettingen und zahlte auch ihre Kirchensteuer an die St. Agatha – Gemeinde. Hierhin fuhr die Familie des Sonntags in einem Einspänner zum Hochamt. Daß Mettingen als Standort für die Wiederherrichtung des Backhauses ausgewählt wurde, hat also durchaus berechtigte hi-storische Gründe. Überdies ist Mettingen heute in der Region nicht nur ein Zentrum des Backhandwerks, sondern auch der industriellen Fertigung von Backerzeugnissen.

Stuten aus Roggen und Weizen
Mit dem Backhaus konnte die Versorgung der eigenen Familie, aber auch die vieler in der Umgebung wohnender Menschen mit Brot sichergestellt werden. In den 30er Jahren dieses Jahrhunderts war jeder zweite Tag ein Backtag. Das Mehl lagerte in Zweizentner – Säcken auf dem Dachboden, wohin es mit einer noch erhaltenen Förderolle transportiert wurde. Vor allem wurde in diesem Jahrhundert Graubrot aus Roggen und Weizen als Stuten gebacken, hinzu kamen kleinere Mengen weißen Stutens aus Weizen.

Postmeyers Backhaus
Das genaue Baudatum des Postmeyerschen Backhauses ist bislang nicht bekannt. Vielleicht wurde es schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut. Soweit reichen die kaufmännischen Aktivitäten der Familie Postmeyer zurück. Ihr Anwesen lag günstig in einer Bergbauregion für Erz und Kohle. Die Kumpel und ihre Familien versorgten sich mit allen für das tägliche Leben grundlegenden Artikeln im Postmeyerschen Laden, zu dem auch eine Gastwirtschaft gehörte, und in dem eben auch Brot verkauft wurde.

Das Backhaus als Gemeinschaftshaus.
Einmal in der Woche wurden Zwieback und Beschüte hergestellt. Vor Sonn- und Feiertagen kamen die leckeren Butterkuchen aus dem Backofen. Bis in die letzte Zeit seines Funktionierens buk die Familie Postmeyer diese nicht nur für den eigenen Verbrauch und den Verkauf im Laden. Auch Nachbarn konnten Bleche mit vorbereiteten Kuchenteig bringen, ihn in Postmyers Backhaus ausbacken zu lassen. Postmeyers Backhaus war somit auch eine wichtige soziale Einrichtung der im Umfeld lebenden Gemeinschaft. Gerade diese Tradition der Förderung von Gemeinschaft durch das Backhaus will die DPSG Mettingen am neuen Ort, dem Georgshof, wieder aufleben lassen.\r\nWas macht man mit einem Backhaus?\r\nWas ist, wenn das Backhaus einmal fertiggebaut am neuen Standort zwischen Wegkreuz und Haupthaus des Georgshofes steht.? Die Frage nach dem Verwendungszweck des Backhauses spielte schon von Beginn an die wichtigste Rolle bei der Auseinandersetzung mit dem Projekt. Dabei bildeten sich schließlich vier Schwerpunkte heraus:

* Das Backhaus als Jugendhaus für die DPSG und andere Jugenddruppen
* Das Backhaus als Jugendcafé
* Das Backhaus als Treff für Brauchtumsgruppen
* Das Backhaus als Backhaus

Solides Fundament für das Backhaus
Wer im Frühjahr 1995 in die Schwarze Straße einbog, konnte das alte Boeckersche Wegkreuz an seinem neuen Platz auf dem Gelände des Georgshofes sehen, direkt daneben das frisch errichtete Fundament des Backhauses . Selbstverständlich verlangte die ,,Aktion Backhaus“ aber auch ein solides finanzielles Fundament. Die Wiedererichtung des Postmeyerischen Backhauses wurde ausschließlich durch Spenden finanziert. Den Pfadfinderinnen und Pfadfindern war von Anfang an klar, daß für dieses Projekt kein Pfennig der ohnehin knappen Mittel für die Kinder- und Jugendarbeit verwendet werden durfte. Den Grundstock für den Wiederaufbau des Bankhauses legte die Familie Boecker mit einer fünfstelligen Spende. Es mussten aber noch weitere 20.000 DM aufgebracht werden. Dazu bat die DPSG um Mithilfe. Die Familie Boecker hat dem Tüöttenstamm der DPSG Mettingen das erforderliche Areal am Georgshof langfristig verpachten, so dass auch die zweckgebundene Nutzung gesichert ist.

Vom Brotbacken in Nordwestdeutschland
Backen, Brennen und Brauen gehören untrennbar zur bäuerlichen Kultur in Westfalen und ganz Niederdeutschland. Aber nur die großen Höfe hatten solche Komplett – Einrichtungen, um Brot, Schnaps und Bier herzustellen. Weitaus häufiger waren das einzeln stehende reine Backhaus oder gar der freistehende Backofen. In den Freilichtmuseen in Detmold und Cloppenburg wird die Tradition des bäuerlichen Brotbackens dokumentiert. In Detmold steht ein 1974 wieder aufgebautes Backhaus aus Gescher-Büren im Kreis Borken von 1747, das auch als Braustätte diente. In Cloppenburg finden sich ein freistehender Backofen aus Hollenermoor im Landkreis Cloppenburg und das Backhaus vom Hof Kühling in Astrup im Landkreis Vechta. Sein Türbalken zeigt die Jahreszahl 1663. In diesem wieder aufgbeauten Backhaus wird heute im Museumsdorf Brot gebacken. In Nordwestdeutschland herrschte als Brotsorte ein aus Roggenmehl hergestelltes Schwarzbrot vor. Große Höfe verarbeiteten an einem Backtag bis zu drei Zentner Roggenmehl in großen Backtrögen. Diese wurden aus dicken Eichenstämmen hergestellt und waren bis zu vier Meter lang. Häufig knetete der Bauer oder ein starker Knecht den Teig mit den bloßen Füßen, die allerdings vorher gründlich gewaschen worden waren. Die Brotlaibe waren früher 20 bis 50 Pfund schwer, in neuerer Zeit nur noch sieben bis zwölf Pfund. Der Backvorgang selbst dauerte bis zu 24 Stunden. Der Backofen mußte hierzu sehr gut abgedichtet werden. Waren die Brote fertig, und blieb noch Hitze im Ofen übrig, so wurde Obst getrocknet, manchmal auch feuchte Federbetten.